Jeden Abend ging Anna zum kleinen Steg am See. Er war verlassen, und das Wasser lag still vor ihr. Früher hatte sie solche Momente kaum wahrgenommen. Ihre Gedanken waren immer bei dem, was gewesen war oder noch kommen sollte.

Doch an diesem Abend setzte sie sich auf die alten Holzplanken und blickte über das Wasser. Ein sanfter Wind zog kleine Kreise auf der Oberfläche. In der Ferne färbte die Abendsonne den Himmel golden.

Anna saß einfach da. Sie musste nichts erklären, nichts entscheiden und nichts leisten. Mit jedem Atemzug wurde es ein wenig ruhiger in ihr.

Zum ersten Mal seit langer Zeit spürte sie, dass sie nicht immer nach Antworten suchen musste. Manche Dinge durften warten. Manche Sorgen durften für einen Augenblick schweigen.

Als sie schließlich aufstand, nahm sie die Stille mit nach Hause – nicht als Lösung für alles, sondern als ein kleines Stück Frieden in ihrem Herzen.

Denn manchmal muss die Welt still werden, damit wir hören können, was unsere Seele braucht.